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Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.

Bautzener Str.139 

03050 Cottbus

Cottbus, 26. Februar 2010

Liebe Kameraden,
liebe Freunde und Förderer des Menschenrechtszentrums,
sehr geehrte Damen und Herren!

„Unser“ Zuchthaus Cottbus wird am 1. April 150 Jahre alt. Das ist kein Aprilscherz, deshalb legen wir unser 4. Cottbus-Treffen auf diesen Gründonnerstag vor Ostern.

Eine freudige Nachricht vorweg: Wir konnten Ulrike Poppe gewinnen, die neue und erstmals in Brandenburg installierte „Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur“, uns an diesem Tag Rede und Antwort zu stehen, aber auch in unsere Probleme, die wir haben, sowie in unsere durchaus erfolgreiche Arbeit, die wir bisher leisteten, Einsicht zu nehmen. Es wäre sinnvoll, Unterlagen zu ungelösten oder ungerecht gelösten Problemen mitzubringen, um es Frau Poppe gleich mitzugeben, denn wir als Verein finden bei den Behörden weniger Gehör als sie, die dann einer Behörde vorsteht.

Außerdem wird an diesem Tag das seit über zwei Jahren einem privaten Investor gehörende Gefängnis einige Stunden offen stehen, so dass wir alle Kameraden von nah und fern einladen, den Kindern, Enkelkindern oder Ehepartnern einmal das Zuchthaus zu zeigen, indem wir die qualvollsten Tage und Nächte unseres Lebens verbringen mussten. Wir bieten selbstverständlich auch Führungen an, zudem lässt sich in unserem vor der Schleuse stehenden eigenen Gebäude auch Neues in der vorläufigen Ausstellung besichtigen.

Ein Kamerad schrieb vor kurzem: Durch meine 30-jährige erfolgreiche Verdrängung habe ich viel vergessen, kann mich kaum noch an Namen von Kameraden erinnern. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sogar Werner Greifendorf (Selbstverbrennung 1978 – S.F.) vergessen hatte, obwohl dieses Trauma 14 Tage nach meiner Ankunft sich unauslöschlich eingeprägt haben sollte. Habe im Web vieles wieder auffrischen können. Doch die gelungenste Verdrängung hilft nicht, es hat innerlich weitergearbeitet. Ich habe Depressionen, zwei gescheiterte Therapien liegen hinter mir. Eine medikamentöse Behandlung brachte ebenfalls keinen Erfolg. Ich muss mich der Vergangenheit stellen.

Genau so ist es! Wir haben wohl alle eine „Knastmacke“ davongetragen. Ich weiß aus Erfahrung, dass viele traumatisierte Kameraden einen Abstand brauchen zu dieser Vergangenheit, die nicht vergehen will. Es gibt jedoch oft keine bessere Therapie, als sich den Ort des Schreckens nach vielen Jahren noch einmal im Kreise von Leidensgenossen anzusehen. Wir haben nicht nur dieses Zuchthaus überlebt, sondern auch diesen Unrechtsstaat DDR, wozu wir einen kleinen Beitrag geleistet haben. Das sollte uns mit Genugtuung erfüllen, auch wenn wir dabei derer gedenken wollen, die das nicht mehr erleben konnten oder an den Folgen dieser Haft zugrunde gegangen sind.

Passt das nicht gut zu Ostern, der jährlichen Gedächtnisfeier zur Auferstehung Jesu Christi? Haben nicht auch wir den uns von den herrschenden Kommunisten zugedachten psychischen und manchmal sogar physischen Tod samt deren System überwunden? Ja, wir müssen uns noch mehr gegenseitig stützen und aufrichten, um uns gegen jene zu behaupten, die gar zu glimpflich davonkamen und sich anmaßen, besonders in der Deutschen Demokratischen Republik Brandenburg, uns und unsere Nachkommen wieder regieren zu wollen. Anschließend könnte man sich ja einmal zur Beruhigung die Osterbräuche im Spreewald ansehen, nicht wahr? Und damit wäre ein Ausflug nach Cottbus und Umgebung zu Ostern bestens gerechtfertigt.

Der Journalist Dr. Tomas Kittan, einst in Cottbus aufgewachsen, wird uns seine Broschüre „Das Zuchthaus Cottbus“ vorstellen, die bereits in zweiter erweiterter Auflage erschienen ist und auch bei uns für 19,90 € bestellt oder dort direkt gekauft werden kann. Über die Geschichte des Zuchthauses wird uns Dr. Kittan außerdem einen halbstündigen Vortrag halten.

Anschließend wird unser Vereinsvorsitzender und Haftkamerad Dieter Dombrowski, (Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU im Land Brandenburg) die Perspektive unseres Menschenrechtszentrums aufzeigen. Denn nachdem vor kurzem sowohl die Kulturministerin Dr. Martina Münch, der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski und eine Vertreterin des Bundeskanzleramtes bei uns zur Beratung waren und von unserem Vorsitzenden an ihre bisher leeren Versprechungen erinnert wurden, sollen nun mit Hochdruck die Bedingungen geschaffen werden, damit bald Fördermittel fließen können, zuerst die investiven, also für den Um- und Ausbau des Museums und der Gedenk- und Bildungsstätte. Später sollen dann noch Mittel für die kreativen Forschungs-, Betreuungs und Bildungsaufgaben, also für Honorare aller Art dazu kommen, die natürlich angesichts der desaströsen Haushaltslage dementsprechend ausfallen werden. Jetzt müssen wir uns jedoch noch mit den äußerst knappen Mitteln aus Mitgliedsbeiträgen, Einnahmen vermieteter Garagen und Spenden begnügen. Aber wir versuchen, das Beste aus allem zu machen.

Der 1. April soll auch Möglichkeiten bieten, einigen Künstlern Aufmerksamkeit zu schenken, die ebenfalls einmal als politische Gefangene in den Zuchthäusern saßen. Deshalb bitten wir, Musikinstrumente, aber auch eigene Bücher mitzubringen, nicht nur zum Verkauf, sondern um daraus vorzulesen. Wir stellen kein starres Programm auf, sondern der Nachmittag soll von angenehmen Überraschungen, soll heißen: von Improvisationen geprägt werden. Wer Ideen hat, darf sie uns noch zuvor verraten und/oder dann einzubringen versuchen.

Des weiteren wird ein Verkaufsstand Getränke und etwas zum Beißen feilbieten, aber auch geistige Nahrung wird von der Fachbuchhandlung 89 angeboten, jener Buchhandlung, die in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen ein exzellentes Angebot an Büchern und DVDs zu unserem Interessengebiet vorzuweisen hat und sich mittlerweile auch im Berliner Stadtteil Friedrichshain (Grünberger Straße 84) etablieren konnte, wo regelmäßig zu unserem Thema passende Lesungen oder Buchvorstellungen stattfinden.

Bitte stellt Euch einmal vor, welcher Unterschied es ist, ob am 1. April 30 Gäste kommen oder 300. Dementsprechend müssen wir nicht nur Tische und Bänke aufstellen, sondern auch andere Vorbereitungen treffen. Deshalb die dringende Bitte: Meldet Euch an, entweder telefonisch in der Woche zwischen 10 und 14 Uhr: 0355-4838333 oder per Fax: 0355-43090137 oder per e-Mail:
info@menschenrechtszentrum-cottbus.de

Ich wünsche Ihnen und Euch im Namen des Vorstandes und unseres Arbeitsteams eine gute Zeit, vor allem Gesundheit und uns allen nach dieser unter einer weißen Eisdecke heimtückisch versteckten jedoch deutlich gespürten Erderwärmung einen offenen, das Gemüt erwärmenden Frühling. Wir freuen uns, wenn viele Ehemalige die Gelegenheit nutzen, um angemeldet und gut gelaunt zu diesem 1. Cottbus-Treffen im Jahr 2010 am 1. April ab 13 Uhr in diesem Gedenkjahr zu erscheinen. Anmeldeschluss: 26. März 2010. Alles klar?

Herzlich,
Siegmar Faust

ehrenamtlicher Geschäftsführer

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Zuchthaus Cottbus
09.11.2009 20:02

Das Zuchthaus Cottbus“ von Dr. Tomas Kittan erscheint in der Publikationsreihe „Cottbuser Blätter“ anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls im Cottbuser Regia-Verlag.
Vor 150 Jahren ging das „Königliche Central-Gefängnis“ Cottbus in Betrieb. Seine Geschichte liegt noch weitgehend im Dunkeln. Erstmals wird jetzt ein historischer Überblick gegeben.

In der DDR gab es rund 200 Gefängnisse. Berüchtigt waren vor allem Brandenburg-Görden, Bautzen, Bützow-Dreibergen, Waldheim, Torgau, Stollberg-Hoheneck und Berlin-Hohenschönhausen. Die „Strafvollzugseinrichtung“ Cottbus galt bisher als unbedeutend. Dreijährige Forschungen des B.Z.-Redakteurs Dr. Tomas Kittan belegen aber, dass Cottbus die wichtigste politische Vollzugshaftanstalt in der Ära Honecker war.

„Das Zuchthaus Cottbus“, so nannten es viele Insassen, besaß den höchsten Anteil „Politischer“ (80 Prozent). Hier konzentrierte die SED ihre Staatsfeinde – Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, Pfarrer – die kritische Intelligenz der DDR. Von hier aus wurden die meisten Häftlinge in die Bundesrepublik freigekauft (5000-8000): Sozialistischer Menschenhandel. Mit den Cottbuser Devisen-Einnahmen in Höhe von etwa 500 Millionen DM sanierte die DDR ihre marode Wirtschaft.

Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls stellt Dr. Kittan in der reich illustrierten Broschüre aus der Reihe „Cottbuser Blätter“ die Sonderrolle der Haftanstalt seiner Heimatstadt vor. Er sah dafür rund 10.000 Archivalien ein und fand 1000 Zeitzeugen. Weitere Publikationen sind in Arbeit.

Ab sofort in allen Buchhandlungen, im
Regia- Verlag
, verschiedenen Internetplattformen und im Stadtmuseum Cottbus für 19,95 Euro zu erwerben.
ISBN 978-3-86929-033-1

Quelle und ©: Abbildung: REGIA Verlag Cottbus

"Sie wollten unseren Stolz brechen"

Von Andreas Wendt

Cottbus (MOZ) Die Gemeinschaft ehemaliger politischer Häftlinge hat den geplanten Umbau großer Teile der ehemaligen DDR-Haftanstalt Cottbus zu einem Hostel kritisiert. Dadurch entstehe der Eindruck, man entsorge die Geschichte, kommentierte Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni, den Verkauf des Areals durch die Stadt Cottbus an einen Investor. Am Donnerstag besuchten über 60 ehemalige Stasi-Häftlinge aus Berlin und Brandenburg die Anstalt, in der bis zur Wende zeitweise 1200 Regimekritiker untergebracht waren - unter ihnen auch der heutige Generalsekretär der Brandenburger CDU, Dieter Dombrowski. Als 1. Vorsitzender des Menschenrechtszentrums Cottbus e.V. ersteigerte er jenen Teil des Arrestes, in dem sich seit etwa einem Jahr eine Gedenkstätte befindet.

Von 1980 bis 1981 war auch Wolfgang Sieblitz (49) hier inhaftiert. In Jeans, schwarzem Hemd und weißer Krawatte ist er aus Niederbayern angereist, um erstmals nach seiner Abschiebung in den Westen wieder Zelle 308 zu betreten. Dort hat er einen Teil der zweieinhalbjährigen Haftzeit abgegessen, zu der ihn das Militärgericht Königs Wusterhausen verurteilt hatte - wegen Fahnen- und Republikflucht. In Eisenach, bei den Grenztruppen, wollte Sieblitz sich im Mai 1980 in den Westen absetzen und wurde erwischt.

"Es grummelt im Bauch", sagt er beim Betreten seiner früheren Zelle. Die knapp 20 Quadratmeter in der dritten Etage des Arrests teilte er sich mit 17 Mitgefangenen - zu 80 Prozent, sagt Siegmar Faust, Geschäftsführer des Menschenrechtszentrums, politische Häftlinge. Unter ihnen Rechtsanwälte, Ärzte, Wissenschaftler. Faust saß von 1974 bis 1976 ein und verbrachte 400 Tage in einer Kellerarrestzelle. Im "Hilton", wie die Häftlinge den Gewahrsam im Keller ironisch nannten, sei jegliches Zeitgefühl verloren gegangen. "Die haben uns körperlich nicht angerührt, aber sie haben versucht, unseren Stolz zu brechen", beschreibt Wolfgang Sieblitz seine Zeit hinter Gittern.

Die Namen der schlimmsten Wärter kursieren nicht nur als abschreckende Anekdoten unter den Ex-Häftlingen. Horst Jahn, genannt "Arafat", und Hubert Schulze, von den Insassen "RT" - Roter Terror - getauft, haben sich durch ihr brachiales Auftreten gegenüber den Gefangenen in der Gedenkstätte ein unrühmliches Denkmal gesetzt. Auch sie wurden zu Haftstrafen verurteilt. "Was hier passiert ist, gehört in die Schulbücher", findet Sieblitz.

Zumindest am Donnerstag konnten er, Dombrowski und Faust ihre Erlebnisse an Jüngere weitergeben. Am Rundgang durch die Haftanstalt nahmen auch Schulklassen teil. Tief beeindruckt war Caroline Beck nach dem Blick in die einstigen Zellen. "Ich fahre jeden Tag hier vorbei", sagt die 18-jährige Schülerin der Lausitzer Sportschule. "Als Gefängnis habe ich diesen Komplex bislang nie wahrgenommen." Nach Auffassung von Ex-Insasse Siegmar Faust müssten besonders junge Menschen erfahren, "was hinter diesen Gefängnismauern zu DDR-Zeiten passiert ist". Zugleich kündigte er im Namen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. (VOS) an, die Partei die Linke als Rechtsnachfolger der SED "zur Kasse zu bitten", um einbehaltenes Parteivermögen in die Aufklärung zu investieren.

Nicht nur für Wolfgang Sieblitz ist der Besuch in der Strafvollzugseinrichtung in Cottbus eine Begegnung mit der Vergangenheit. In Haft war er seit 1981 nicht mehr. "Aber eine Narbe, die bleibt ewig."

Donnerstag, 17. September 2009 (21:51)

>http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Berlin_Brandenburg/id/296932




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